Wir alle kennen Schmerzen. Wir haben Rückenweh, Regelkrämpfe, Migräne, Herzschmerzen, Wunden, Schulterverspannungen und und und. Die gängige Meinung ist, dass Schmerzen halt dazu gehören, vor allem, wenn man älter wird. Dafür gibt es ja auch Schmerzmittel. Denn Schmerzen beeinträchtigen uns. Wenn uns etwas weh tut, können wir weniger leisten. Können vielleicht nicht arbeiten gehen.

Die bevorzugte Reaktion auf Schmerz ist daher oft ein grummelndes Aushalten. “Es wird schon wieder vorbeigehen.” Tablette rein und hoffen, dass sie bald wirkt. “Zähne zusammenbeißen und durch.”

Schmerz ist tatsächlich Teil des Lebens, jedes einzelnen Lebens. Komisch, dass das so ist, oder? Die Evolution hat so viel Geniales geleistet, wieso also chronische Schmerzen?

Was uns nicht bewusst ist, ist, wie sehr am Erleben unserer Schmerzen beteiligt sind.

Angst vor dem Schmerz

Ich selbst habe in meiner Jugend und Studienzeit immer wieder leichte Rückenschmerzen gehabt. Wegen meiner Größe ist das als “normal” gesehen worden. Außerdem bin ich damals natürlich viel gesessen, viele lange Stunden am Tag. Beim Schreiben der Masterarbeit habe ich dann immer wieder einen ganz dumpfen Schmerz an einem bestimmten Punkt neben der Wirbelsäule gespürt. Die Art von Schmerz, wo du sofort merkst, oje, da ist was. Ich habe Angst bekommen, dass es ein Bandscheibenvorfall sein könnte. So ein Wort, das man immer wieder hört. Etwas, das immer jüngere Menschen betrifft. Eine Zeit lang habe ich es einfach ausgehalten und darauf geachtet, keine plötzlichen Bewegungen zu machen.

Ich war schließlich beim Arzt und habe Physiotherapie verschrieben bekommen. Dort bin ich zum ersten Mal darauf aufmerksam geworden, wie wenig vertraut ich mit meinem eigenen Körper war. Wie wenig Ahnung ich von einer “richtigen Haltung” hatte. Und auch, wie anstrengend diese Haltung sich für mich angefühlt hat.

Wenn uns etwas weh tut, dann macht das AngstAuch wenn wir es vielleicht nicht so wahrnehmen: der Körper fühlt sich bedroht. Unser Herz schlägt schneller, Adrenalin wird ausgeschüttet. Der Körper tut, was er kann, um sich um den Ort zu kümmern, wo gerade Hilfe nötig ist. Egal, ob das eine Schnittwunde ist oder ein überanstrengter Muskel.

Du hast sicher schon mal eine Wunde gehabt und erlebt, wie sich innerhalb einiger Tage eine Kruste bildet, die schließlich abfällt. Darunter hat sich neue Haut gebildet.

Der Körper weiß genau, was er zur Heilung braucht, wenn etwas schmerzt. Er kümmert sich selbst drum. Und was tun wir? Es gibt unterschiedliche Arten, auf Schmerz zu reagieren. Und was wir tun, hat erheblichen Einfluss darauf, wie wir den Schmerz erleben!

Schonhaltung als Reaktion

Wenn wir vor Angst dicht machen und den Schmerz aushalten, wir “uns zusammenreißen,” weil wir funktionieren wollen, dann bedeutet das: Extra-Anstrengung für unseren Körper. Weil wir dann um die schmerzende Stelle herum anspannen, wie um den Schmerz abzufangen. Um ihn weniger zu spüren, dumpfer zu machen.

Wenn wir an einer Stelle im Körper anspannen, ist diese aber nicht isoliert. Probier mal aus, deinen Bauch einzuziehen. Dann sei aufmerksam, ob du nicht in den Schultern, in den Oberschenkeln, oder sonstwo noch automatisch mitanspannst.

Wir eignen uns also eine Grundspannung oder Schonhaltung an, um den Schmerz weniger zu machen. Nur führt genau das dazu, dass der Körper sich weniger gut und schnell um die betroffene Stelle kümmern kann.

Das Aushalten führt also dazu, dass der Schmerz weniger schnell geheilt wird. Also im Grunde genau das, was wir nicht wollen. Was können wir denn jetzt tun, um es besser zu machen?

So kannst du deinen Körper unterstützen:

  • Werde aufmerksam darauf, was passiert, wenn du einen Schmerz bemerkst. Macht es dir Angst? Nervt es dich? Was löst es in dir aus?

  • Merk, wie tief oder flach du atmest. Versuch bewusst und sanft, tiefere Atemzüge zu nehmen.

  • Gib Acht, ob du im Körper irgendwo eine Anspannung spürst. Atme ruhig weiter und versuche, im Körper lockerzulassen.

  • Wenn der Schmerz plötzlich aufgetreten ist, sehr stark ist oder lange anhält, dann hol dir bitte ärztlichen Rat.